Ratgeber · Licht

Lux messen mit dem Handy: Wie genau ist eine Luxmeter-App?

Dein Handy kann Lux über die Kamera oder über einen kleinen Lichtsensor vorne anzeigen. Die Zahl wirkt genau. In Tests hing sie aber vom Handy, von der App und von der Helligkeit ab.

Luxmeter-App: Wie genau misst dein Handy Licht?
Die kurze Antwort

Wie genau ist eine Luxmeter-App?

Eine Luxmeter-App liefert einen groben Wert, keinen genauen. In einem begutachteten Test lagen die Handywerte ohne Kalibrierung deutlich zu hoch oder zu niedrig. Nachdem der Autor eine App gegen ein Referenzgerät kalibriert hatte, blieb ein Fehler von etwa ±12 % über 5.000 Lux und ±18 % unter 100 Lux (Odenwald, 2020).

Wie genau sind Luxmeter-Apps im Kalibriertest?

Eine begutachtete Studie von 2020 verglich zwei Android-Handys und ein iPhone, Modelle von 2015 und 2017, mit einem Referenz-Luxmeter mit angegebener Genauigkeit von ±5 %. Die Handys maßen draußen Sonnenlicht, das von einer weißen Schaumstoffplatte zurückgeworfen wurde (Odenwald, 2020).

Die Handywerte lagen mal zu hoch, mal zu niedrig. Der Autor legte deshalb eigene Kalibrierkurven für helles, mittleres und schwaches Licht fest. Für eine kamerabasierte App auf dem iPhone blieb nach der Kalibrierung dieser Fehler (Odenwald, 2020):

  • Helles Sonnenlicht, 5.000 bis 500.000 Lux: etwa ±12 %
  • Schatten und drinnen, 100 bis 5.000 Lux: etwa ±16 %
  • Morgen- und Abenddämmerung, 0 bis 100 Lux: etwa ±18 %

Warum zeigt dieselbe App auf verschiedenen Handys andere Werte?

In der Studie musste die Kalibrierung für jede Kombination aus App und Handy neu gemacht werden, weil Apps mit Kamera und Apps mit Lichtsensor ihre Werte verschieden skalieren. Dieselbe App lieferte auf zwei Android-Modellen bei hellem Licht um 16.300 Lux ähnliche Werte, bei etwa 114 Lux aber sehr unterschiedliche (Odenwald, 2020).

Eine Studie von 2022 setzte ein Android-Handy in einer dunklen Box kalibriertem Licht aus. Die Werte folgten den echten Werten eng, lagen bei den helleren Stufen aber etwas zu niedrig. Die Autorinnen und Autoren halten Handy-Lichtsensoren für kaum so gut wie ein voll kalibriertes Luxmeter, für große Unterschiede im Licht aber vermutlich für ausreichend (Gardasevic et al., 2022).

Kamera oder Lichtsensor: Warum messen Handys verschieden?

Die meisten iPhone-Apps in der Studie von 2020 berechneten die Lux aus den Belichtungsdaten der Rückkamera. Die meisten Android-Apps lasen den eigenen Lichtsensor vorne am Handy aus, neben der Frontkamera (Odenwald, 2020). Auf dem iPhone ist der Zugriff von Apps auf diesen Sensor eingeschränkt (Gardasevic et al., 2022).

  • Kamera: Der Wert springt in Stufen, sobald die Kamera Blende, Belichtungszeit oder ISO ändert. Unter 100 Lux kann ein Sprung mehr als die Hälfte des Werts ausmachen, über 1.000 Lux liegt die Unsicherheit unter 5 % (Odenwald, 2020).
  • Lichtsensor: Er liefert gleichmäßige Werte, aber das Handy muss dabei zu dir zeigen. Dein eigener Schatten kann den Wert so leicht verfälschen (Odenwald, 2020).
  • Kein Diffusor: Das Referenzgerät fängt das Licht über eine weiße Kuppel ein, die Handys hatten nichts vor der Linse. Der Autor nennt das als einen wichtigen Grund, warum die Handyskala danebenlag (Odenwald, 2020).

Kann eine Luxmeter-App melanopische Lux anzeigen?

Nein. Ein Handy misst die einfache Beleuchtungsstärke, kein melanopisches Licht. Und es misst in die Richtung, in die es zeigt. Während du auf den Bildschirm schaust, ist das ungefähr entgegengesetzt zu deiner Blickrichtung (Gardasevic et al., 2022).

Empfehlungen von Fachleuten für Licht am Tag und am Abend nennen die melanopische EDI am Auge, gemessen in der Senkrechten auf etwa 1,2 m Höhe (Brown et al., 2022). Übliche elektrische Beleuchtung regt die Melanopsin-Zellen im Auge deutlich schwächer an als Tageslicht mit gleicher Beleuchtungsstärke (Brown et al., 2022). Eine Lampe und Tageslicht mit gleichem Lux-Wert sind in diesem Maß also nicht gleich, und eine Luxmeter-App kann sie nicht unterscheiden.

Wie hell ist Tageslicht? Lux-Werte draußen und drinnen im Vergleich.

Wie schätzt LightOtter die Helligkeit?

Die LightOtter-App hat einen Helligkeits-Check. Du hältst die Rückkamera Richtung Himmel, nie in die Sonne, und bekommst per Tippen eine schnelle Schätzung in Lux. Die App sagt es selbst: Eine Handykamera schätzt die Helligkeit nur. Das reicht für „drinnen oder draußen?“, ist aber kein kalibriertes Messgerät. In den Einstellungen gleicht ein Kalibrierwert deine Handykamera aus.

Der Licht-Check auf dieser Website nutzt gar keinen Sensor. Aus deinen Angaben zu einem normalen Werktag und dem Sonnenstand entsteht eine Einschätzung, keine Messung.

Die täglichen Minuten draußen sind eine LightOtter-Faustregel aus Bewölkung und Sonnenstand bei dir. Sie sind geschätzt, nicht gemessen.

Sechs Fragen, eine Minute: der Licht-Check für deinen Tag.

So wird der Wert einer Luxmeter-App nützlicher

Nimm die Zahl zum Vergleichen, nicht als genauen Wert. Diese Gewohnheiten folgen aus den Grenzen, die die Studien beschreiben:

  • Vergleiche Plätze mit demselben Handy und derselben App, etwa am Fenster und in der Raummitte. Große Unterschiede erfassen Handy-Lichtsensoren recht gut (Gardasevic et al., 2022).
  • Vergleiche keine Werte zwischen verschiedenen Handys oder Apps. In der Studie von 2020 galt eine Kalibrierung nur für eine App auf einem Handy (Odenwald, 2020).
  • Sei bei niedrigen Werten vorsichtig. Unter 100 Lux war der Fehler nach der Kalibrierung am größten (Odenwald, 2020).
  • Bei einer App mit dem Sensor vorne: Halte Hand und Schatten davon fern (Odenwald, 2020).
  • Halte die Kamera Richtung Himmel, nie in die Sonne.

So rechnet LightOtter die Minuten aus, und worauf das beruht.

Was dieser Ratgeber nicht ist

Dieser Ratgeber erklärt, wie Handys Licht messen. Er ist keine medizinische Beratung, und LightOtter ist weder ein Medizinprodukt noch ein kalibriertes Messgerät. Fühlst du dich lange müde, sprich mit einer Ärztin oder einem Arzt. Schau nie direkt in die Sonne.

Fragen zur Luxmeter-App

Kann ich mit der Handykamera Lux messen?

Grob. Kamerabasierte Apps berechnen die Lux aus den Belichtungseinstellungen der Kamera, deshalb springt der Wert in Stufen: unter 100 Lux um mehr als die Hälfte des Werts, über 1.000 Lux um weniger als 5 % (Odenwald, 2020). Halte die Kamera Richtung Himmel, nie in die Sonne.

Warum zeigt meine Luxmeter-App einen anderen Wert als ein Luxmeter?

Dem Handy fehlt die weiße Streukuppel eines Luxmeters, und jede Kombination aus App und Handy braucht ihre eigene Kalibrierung (Odenwald, 2020). Ohne diese Kalibrierung weicht die App von einem echten Luxmeter ab.

Funktionieren Luxmeter-Apps auf dem iPhone?

Sie arbeiten dort anders. Auf dem iPhone ist der Zugriff von Apps auf den Lichtsensor eingeschränkt (Gardasevic et al., 2022). Die meisten iPhone-Apps in einer Studie von 2020 nutzten stattdessen die Rückkamera, und Kamerawerte waren bei wenig Licht am ungenauesten (Odenwald, 2020).

Reicht eine Luxmeter-App, um mein Tageslicht zu prüfen?

Sie kann große Unterschiede zeigen, etwa drinnen gegen draußen. Die erfassen Handy-Lichtsensoren recht gut (Gardasevic et al., 2022). Die melanopische EDI, mit der Licht-Empfehlungen von Fachleuten rechnen, kann sie nicht zeigen (Brown et al., 2022).

Misst LightOtter Lux?

Nicht genau. Der Helligkeits-Check in der App liefert eine schnelle Schätzung über die Kamera, keinen kalibrierten Wert. Die täglichen Minuten sind eine Faustregel aus Bewölkung und Sonnenstand.

Quellen

  1. Odenwald, S. (2020). Smartphone sensors for citizen science applications: light and sound. Citizen Science: Theory and Practice 5(1): 13.
  2. Gardasevic, M., et al. (2022). Brighter Time: a smartphone app recording cognitive task performance and illuminance in everyday life. Clocks & Sleep 4(4): 577–594.
  3. Brown, T. M., et al. (2022). Recommendations for daytime, evening, and nighttime indoor light exposure to best support physiology, sleep, and wakefulness in healthy adults. PLOS Biology 20(3): e3001571.

Zuletzt geprüft: Oktober 2026